Die Giraffe blutet 2

8 März, 2010 (00:56) | Kasper Grimm | rausch (zustände) | (1) Kommentar

Der Behinderte Ludorff hatte Rother ein Fotobearbeitungsprogramm ausgeliehen, das, auf seinem Laptop installiert, zahlreiche Bedienungsmöglichkeiten bot, die er als Laie nur begrenzt zu nutzen wußte,

etwa das Erstellen von Collagen, indem er verschiedene Fotos aus einem Ordner auf seiner Festplatte zu einem Bild zusammensetzte, vor Jahren bei einem Zoobesuch geknipst, stümperhaft, die meisten unterbelichtet und unscharf, die er, ehe er sie überhaupt verwenden konnte, erst überarbeiten mußte, aufhellen, schärfen, regulieren, schief aufgenommenen Motive geraderücken, zurechtschneiden,

bis er das Optimum zum Beispiel aus einem Giraffenfoto herausgeholt hatte, so daß die verwischten Konturen nun klar hervortraten, die erloschenen Farben frische Leuchtkraft erhielten, woraufhin er das Tier ausschnitt, indem er die Umgebung mit einem virtuellen Radiergummi entfernte, den er mit der Maus führte, unfähig, die Linien sauber um die Konturen herumzuziehen,

wobei er, verzitterte er eine Kurve, den letzten Arbeitsgang rückgängig machen mußte, und als er bei einem neuen Ausrutscher in das Motiv hineinfuhr, blieb wieder eine häßliche Kerbe zurück, als habe er dem Tier einen heftigen Machetenhieb versetzt,

doch ehe er diesmal den Rückwärtspfeil drücken konnte, schoß rote Farbe heraus, was ihn so erschreckte, daß er wirr mit dem Cursor herumfuhr, dadurch weitere Verstümmelungen anrichtete, aus denen neue rote Fontänen herauspulsierten,

und er bewegte panisch die Maus, wollte das Bild komplett löschen, aber der Radierer hatte sich in eine Lanzenspitze verwandelt, mit der das Fell kreuz und quer aufgeschlitzt wurde, grauenhaft, als fahre er mit einem scharfen Messer durch das Fleisch der Giraffe, massakriere sie, schlachte sie ab,

und bei jeder Bewegung schoß es weiter wie Lava aus dem zerpflügten Leib, als verblute er vor seinen Augen, weshalb er wild auf alle möglichen Tasten hämmerte, bis der Computer abstürzte und die Metzelei ein abruptes Ende fand:

schwarzer Monitor; nur ein Lämpchen auf der Tastatur blinkte noch grün, als blinzele es ihm verschwörerisch zu, während er zitternd nach seinem Gesicht tastete, das sich klebrig naß anfühlte, bespritzt vom Blut der Giraffe – oder war es Angstschweiß?

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Beitrag vom: 8 März, 2010 (00:56) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (1) Kommentar
Kommentare



sylvia schrieb:

au, das erinnert mich…;-)))
wieder ein dolles teil, lesen macht spaß und
grusel gleichzeitig.

Kommentiert am 8. März 2010 um 17:11



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