Schneedenkmal

9 Februar, 2009 (09:30) | Kasper Grimm | tage-bau | (3) Kommentare

Endhaltestelle Königsforst. Da steht, wie aus feinstem Marmor modelliert, ein riesiges männliches Geschlecht: zwei nebeneinanderliegende Schneekugeln, von einer schräggestellten Säule aus vereistem Schnee überragt – wie haben die das bloß hingekriegt? Oben wird der Eichelansatz durch eine Rinne angedeutet. Die Blicke der mit mir ausgestiegenen Leute zucken hin und wieder weg, als sei ein Exhibitionist mit aufgerissenem Mantel vor sie hingetreten. Schüler steigen in die zur Stadt zurückfahrende Bahn, lachend: haben sie sich diesen Spaß erlaubt? Ein älterer Mann, die Hände in die Hüften gestemmt, baut sich davor auf, schaut hoch und schüttelt den Kopf. Ich gehe an ihm vorbei, spüre bei jedem Schritt das weiche Knirschen unter den Sohlen und dringe in den weißverschneiten Wald ein. Plötzlich traumhaft niederschwebende Schneeflocken – ein Winterzauber. Ich drehe mich noch einmal um: das Denkmal ist verschwunden – der Mann trampelt auf der Stelle.

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Beitrag vom: 9 Februar, 2009 (09:30) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: tage-bau | Beitrag ausdrucken | (3) Kommentare
Kommentare



Saalfeldeirn schrieb:

und ich hoffe, der spaziergang war schöööööööön.

Kommentiert am 9. Februar 2009 um 23:35



Hartmut Sörgel schrieb:

Oh, was hätte der Alte alles zu zertreten, sähe er sich um, hier und in der Welt
Oder ists ein Gleichnis zwischen jung und alt?

Hartmut

Kommentiert am 12. Februar 2009 um 23:38



Saalfelderin schrieb:

Das ist die Art des Schreibens, die Dir besonders gut liegt.
***die Saalfelderin

Kommentiert am 24. Februar 2009 um 18:08



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