Beiträge zu terrere est humanum?

Man sagt

20 April, 2010 (18:45) | Werner Theis | terrere est humanum? | Kommentieren

Man sagt, der Kritiker, der fischt im Trüben,
Die Worte – seine! – böse, abgefeimt,
Wenn er zerpflücke, was man schreibt und reimt,
Weil Kunst von Können komme und vom Üben!

Er schwärmt vom Rhythmus, der, perfekt getimet,
Den Text nach vorne treibe, weich, in Schüben:
Die armen Dichter will er nicht betrüben!
Viel lieber hätte er sich eingeschleimt,

Er hat es nicht mit Unwahrheit und Lügen:
Vielleicht hat er das Nettsein doch versäumt,
Um seinem Ziel, der Klarheit, zu genügen!

Ein letztes Mal hat er sich aufgebäumt.
Er wird sich in sein Schicksal endlich fügen:
Ein Muster ohne Wert wird weggeräumt.

Beitrag vom 20 April, 2010 (18:45) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Drache, aus!

1 April, 2010 (20:14) | Werner Theis | terrere est humanum? | 6 Kommentare

Es speit der alte Drache furchtbar Feuer,
Es reitet ihn die Wut, so grenzenlos.
Die Angst, die sich verbreitet, kalt und groß,
Sie ist es selbst, das böse Ungeheuer!

Der Drache führt mit seinem Schwanz den Stoß,
Es bröckelt, als ob’s Sand wär’, das Gemäuer.
Er malmt die Hauer wie ein Wiederkäuer
Und brüllt, als wär die blanke Hölle los.

Es hilft kein Flehen, Winden, Bitten, Betteln:
Ergreift das Schwert, der Schneide heller Blitz,
Und lasst sie rasen, statt euch zu verzetteln.

Den Drachen greift man an, ganz ohne Witz:
Es sterben ohne Gegenwehr nur Vetteln.
Die Helden rufen: Drache, aus! Jetzt sitz!

Beitrag vom 1 April, 2010 (20:14) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (6) Kommentare


Zu seiner Schlachtbank

24 März, 2010 (19:26) | Werner Theis | lug & trug, terrere est humanum? | Kommentieren

Zu seiner Schlachtbank sollte man es führen,
Das Osterlamm, so zart und weiß und fein.
Da will ein junges Blut vergossen sein.
Es darf das Sterben, fließend, selig spüren.

Hier liegt es jetzt, ganz tot und still und klein.
Man wird es bald zum Festtagsbraten küren.
Man möchte seine Stirne sanft berühren
Und denkt, das ganze Spiel ist hundsgemein.

Der Sonntag ist ein Wandern in Spalieren,
Die blauen Bänder flattern in dem lauen Wind.
An Ostern werden wir das Lamm verlieren,

Der volle Bauch danach bringt Trost geschwind.
So geht es Lämmern, Menschen wie auch Tieren:
Die Freude kommt, wenn sie gegangen sind.

Beitrag vom 24 März, 2010 (19:26) | Autor: Werner Theis | Rubrik: lug & trug, terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Wenn man euch lässt

21 März, 2010 (16:33) | Werner Theis | terrere est humanum? | Kommentieren

Die Nacht: Sie strahlt im wilden Sterngefunkel,
Die Kälte setzt sich in den Haaren fest.
Im Hintergrund tost schwarzes kaltes Dunkel:
Ihr müsstet Herren sein, wenn man euch lässt.

Behindert durch ein ständiges Geplänkel,
Das Leben sei ein immerlautes Fest,
Sagt ihr und schlagt euch auf die schlaffen Schenkel:
Ihr könntet Sieger sein, wenn man euch lässt.

Die Sonne überstrahlt den ganzen Dünkel,
Mit dem ihr euch behängt, und auch den Rest
Bescheint sie hell bis in den letzten Winkel:
Ihr dürftet Götter sein, wenn man euch lässt.

Er überhaucht das irdische Gemunkel,
Der fahle Mond, weil ihr das gern vergesst:
Gefährlich unnütz seid ihr wie Furunkel
Und würdet Mörder sein, wenn man euch lässt.

Beitrag vom 21 März, 2010 (16:33) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Zuckerschlecken

6 Februar, 2010 (20:35) | Werner Theis | alptraum/ego.wunde, lug & trug, tage-bau, terrere est humanum? | Kommentieren

Was soll das Geschrei bezwecken?
Sterben nicht die letzten Recken?
Sag es laut und ohne Schmu:
Gutes geht, die Tür fällt zu.

Narr zu sein – kein Zuckerschlecken:
Ehrlichkeit ist am Verrecken.
Wer noch sagt, was er sich denkt,
Wird am nächsten Ast gehenkt.

Den, der’s wagt, laut anzuecken,
Wird man in die Klapse stecken:
Geh mit Gott, geh in den Tod,
Halt den Mund, willst du vom Brot.

Achte drauf, dich zu verstecken,
Züngle nicht beim Ärschelecken:
Nimm nichts ernst, doch zeig es nicht.
Schweigen ist die höchste Pflicht.

Was will dein Geschrei bezwecken:
Enden nicht zuerst die Kecken?
Böses kommt, die Tür geht auf.
Stell dich nicht in seinen Lauf.

Beitrag vom 6 Februar, 2010 (20:35) | Autor: Werner Theis | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, tage-bau, terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


augustmond

12 August, 2009 (17:12) | Ramona Linke | terrere est humanum? | 3 Kommentare

langsam ist es
abend geworden
heute war nicht viel
zu schaffen
dennoch
brennende augen
satte gedanken
taube finger auch
von den schnippelbohnen
grün
über den brillenrand
nachbars nussbaum

als ich später
vor der haustür stehe
riecht es nach
herbstfarben

sie lassen meinem
mohnbefleckten weizenfeld
nur noch die stoppeln
dreschen
auf teufelkommraus
so lange bis
sich im mondlicht
erster tau
zwischen die halme
legt

ein stern
glimmt auf
kaum auszumachen
mit brennenden augen
und mein lächeln
schwingt sich
mutig
mit dem nachtwind
auf und

zu dir

Beitrag vom 12 August, 2009 (17:12) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (3) Kommentare


Auf dem Weg

21 Mai, 2009 (19:44) | Werner Theis | terrere est humanum? | Kommentieren

An des Tales weiter Flanke
Rundet sich ein schmaler Weg.
Ist es, dass sich mein Gedanke
Den ich schon seit Tagen heg,

Hier verflüchtigt und enthebt?
Ich klag stumm, ich leide, schwanke:
Ist dies Leben schon gelebt?
Drüben steht sie, jene schlanke,

Buche: Zu ihr drängt mein Schritt.
Hier will ich für heute rasten.
Doch die Sorgen rasten mit.
Es muss aufhör’n, dieses Hasten.

Auszeit, um die ich so bitt’,
Sie soll helfen und entlasten.
Alles, was ich je erstritt,
Auch die Chancen, die verp.r.assten,

Stürzt ins Nichts, die Welt zerfällt.
Birgt der Blick über die Felder,
Der das Aug’ in Ruhe hält,
Und das Grün der hohen Wälder

Meine Rettung tief in sich?
Frühlingsboten, Glücksvermelder,
Zwitschern, freu’n sich königlich,
Pfeifen auf Verlust und Gelder,

Machen sich `nen schönen Lenz.
Ich hör zu, tief in Gedanken.
Wer es sehen will, erkennt’s:
Es nützt nichts, mit sich zu zanken.

Beitrag vom 21 Mai, 2009 (19:44) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Orpheus Arm ist so kurz

25 April, 2009 (18:51) | Werner Theis | terrere est humanum? | Kommentieren

Orpheus Arm ist
So kurz heute
Die Zeitkaskaden stürzen
Durch mein Schwarz
Hindurch

Und ich lehne
An dünnen Wänden
Die stöhnend sich beulen
Zum Hades hin
Der Nachen wartet immer

Der Kirschbaum
Hat sich geschüttelt
In kaltem Dunkel
Benetzt im Gras
Schlafen seine Blütenblätter

Als sei rosa
Die Farbe des Lebens
Als sei Tau
Regen
Starre ich ins Umrahmte

Bild des Frühlings
Welch fader Traum
Durchwachter Nacht
Schlafes Bruder
Der Auflöser

Fahlweiß
Verblichen
Liegen da auch schon Magnolienblüten
Drin suhl ich mich
Zwischen Tag und Nacht

Beitrag vom 25 April, 2009 (18:51) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


ohne ein wort

20 März, 2009 (10:03) | Ramona Linke | terrere est humanum? | Kommentieren

ungefragt
legst du ihr
die hand auf
den mund
und dich

dermaßen schwer

bis hin
zu jenem atem
los
so viele hände
abgewehrt
ohne zu schreien
schweißgebadet
ausgeharrt
zum morgen hin
nur
leere
traurigkeit

die stiege hinab

ein hauch
kühle

wind im rücken
und grelle sonne

ohne gesicht

Beitrag vom 20 März, 2009 (10:03) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


nachtfarben

28 Februar, 2009 (15:04) | Ramona Linke | terrere est humanum? | 6 Kommentare

sie legt sich
zweigeteilt
ins kobaltblau
neben ihren zorn
ganz achtsam
unter das scharlachrot
des baldachins
jener grundlosigkeiten
leise
reicht ihr endlichkeit
den schlummertrunk
aus ungesagtem
vergorenem
gestern
wäre grad recht
und warm
schillern regenbogen
zwischen ihren wimpern

Beitrag vom 28 Februar, 2009 (15:04) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (6) Kommentare


nebelsud

4 Februar, 2009 (13:27) | Ramona Linke | terrere est humanum? | 2 Kommentare

sie gehen mir
nach
die wenigen
oktoberstunden
mit dir
in schlaflosen nächten
durch vermalte
tage
glaubte ich
gefunden
zu haben
was eigentlich nicht darf
doch schön und gut
nie sollte nichts
zwischen uns
waldgeküsst
auf rotweinlippen
ging
die rechnung
nicht auf
und davon
gekommen
ist keiner
außer ein schmerz
den die sehnsucht
nährt

Beitrag vom 4 Februar, 2009 (13:27) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


Fest im Griff

13 Dezember, 2008 (17:25) | Ramona Linke | terrere est humanum? | 2 Kommentare

Es weihnachtet mit voller Wucht,
ein jeder nach Geschenken sucht –
hetzt herum mit großen Taschen,
um die Schnäppchen zu erhaschen.

Der Winterwald liegt leicht verschneit,
die Tännchen stehen startbereit –
Mensch schafft und kocht, macht klinisch rein,
selbst abends noch bei Kerzenschein.

Von überall tönts „Stille Nacht“,
kaum einer, der im Stress noch lacht –
selbst Oma hält jetzt wacker Schritt,
rackert und wienert tüchtig mit.

Und ist es endlich dann soweit,
Bescherung, Frohe Weihnachtszeit! –
Sind alle fertig mit der Welt,
man Sattsein für Besinnung hält.

Beitrag vom 13 Dezember, 2008 (17:25) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


Flockenwirbel

24 November, 2008 (19:18) | Ramona Linke | terrere est humanum? | Kommentieren

In Flocken fällt der Himmel nieder,
lässt staunen dich, macht weich die Welt.
Schaust aus dem Fenster immer wieder –
und der Himmel sinkt hernieder.

Es schwärmt ein Hauch von dunklem Flieder,
der sich zu deinem Traum gesellt –
in Flocken fällt er leicht hernieder,
der einst dich auf den Kopf gestellt.

Beitrag vom 24 November, 2008 (19:18) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


wie-der zu-fall

5 November, 2008 (14:59) | Ramona Linke | terrere est humanum? | Kommentieren

du stehst vor ihr
es ist
als würden welten
verstummen

tausend sonnen
scheinen
zu bersten

wie lange
mag es her sein

es wär’ eine lüge
zu sagen:
du hast dich
nicht verändert

nein
nicht wirklich älter
anders

und noch immer
schmetterlinge
unter dem schnee

in grund und boden
gelächelt
schaut sie dich
an
verlegen
mit hängenden armen

wie lange
es auch her sein mag

komm
lass uns

beginnen

Beitrag vom 5 November, 2008 (14:59) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Traum

31 Oktober, 2008 (23:11) | Uwe Schick | terrere est humanum? | 1 Kommentar

Ich habe jahrelang niemals geträumt. Meine Nächte sind dem Tiefschlaf gewidmet oder den ruhelosen Sorgen. Doch gestern träumte ich und wachte von dem Traum auf, der mir wie ein Film schien. Ich raubte einen Tresor aus und wurde gefasst.

Beitrag vom 31 Oktober, 2008 (23:11) | Autor: Uwe Schick | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (1) Kommentar


resonanzboden

28 Oktober, 2008 (18:56) | Ramona Linke | terrere est humanum? | 2 Kommentare

der wind hat sich
gelegt
unter den alten ahornbaum
neben sie
auf orangerot und
zinnobergelb
schwingt der herbst
bis hinter
die geschlossnen lider
war ihr doch
gerade so
als klingen schritte an
laubgedämpft
auf sie zu
ein winken
organzaseidig
raunt der see
erste abendnebel
und
in ihr schweigen
steigt kühle
die jenen traum
aus ihrem begehren
löst

Beitrag vom 28 Oktober, 2008 (18:56) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


Lesefehler

15 Oktober, 2008 (12:45) | Kathrin Drescher | terrere est humanum? | Kommentieren

Dreijährige trifft Amt als lebende Göttin in Nepal an.

Beitrag vom 15 Oktober, 2008 (12:45) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Nach.t.fragen

9 Oktober, 2008 (10:42) | Werner Theis | terrere est humanum? | Kommentieren

Wo sie denn landen
Wenn sie denn landen
Die Gedanken
Die fliegenden

War es nicht doch der Atem
Der da flog
Der der der Zermarterung
Der Hirnwindungen folgt

Damit der Schweiß
Auch wirklich ausbricht der kalte
Der Angst-
Gefährte

Es jagt der Herzmuskel
Stich um Stich
Und die Gedanken
Die fliegen nicht mehr

Sie falln zu Boden
Hyper-
Ventiliern
Sich um ihr Bisschen Leben

Wo sie sich betteten
So liegen sie
Alptraum an Alptraum
Eng an eng gekuschelt

Beitrag vom 9 Oktober, 2008 (10:42) | Autor: Werner Theis | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


S-Bahn 3-1

3 Oktober, 2008 (12:23) | Uwe Schick | terrere est humanum? | Kommentieren

Die S3 bietet jeden Werktag Plätze in beschränkter Zahl für Angestellte, Schüler und Fernreisende. Mit einem hoch surrendem Ton hält sie am Bahnsteig und bringt Bewegung in die Wartenden. In Klumpen stellen sie sich neben den Türen auf, jeder bringt sich in die bestmögliche Position, im Wettkampf um die wenigen Sitzplätze. Wenn die Türen sich aufschieben bleibt den Ankommenden eine schmale Gasse, durch die sie sich in die kühle Morgenluft ergießen. Im Inneren der Bahn nehmen die bisher Stehenden bereits Platz. Draußen warten die Zusteiger, Körper in Spannung, Blick auf die vakanten Plätze gerichtet, die immer weniger werden. Endlich sind alle draußen, die raus wollten, es geht rein. Doch ist die „Reise nach Jerusalem“ beendet, wenn die S-Bahn anfährt. Für die meisten der Zugestiegenen heißt es jetzt: „Bis zur nächsten Haltestelle müssen Sie stehen.“

Beitrag vom 3 Oktober, 2008 (12:23) | Autor: Uwe Schick | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


sprechblasen

26 September, 2008 (12:41) | Ramona Linke | terrere est humanum? | Kommentieren

ein flüstern
wispern
auf dem weg
nein
bloß nicht
in die erste reihe

so viele menschen
blaue blumen
schleifen
in liebe
jeder für sich
vor dem schrein

spüre die hand
meines kindes
gegen den schmerz
bunte sonnenstrahlen

keine umarmung mehr
kein lachen
kein blick

begnadigt
bis zum dritten tage
oder auch nicht

was er redet
da vorn
nichts weiß er
von dir
nichts

salziges schweigen
wattiert
der klang
von erde auf eichenholz

nein, keine angst
ich nehme von den rosenblättern
sacht
ihr fallen

und heimlich
ein sträußchen lavendel
für den schmetterling

du weißt

Beitrag vom 26 September, 2008 (12:41) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag ausdrucken | Kommentieren




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