Beiträge zu rausch (zustände)

Und dazu zwitschern laut die Finken

13 August, 2010 (20:10) | Werner Theis | rausch (zustände) | 2 Kommentare

Wir treffen uns in einem Garten.
Die Rose steht am Weg herum.
Du lässt mich, wie gehabt, noch warten.
Ich stehe und betrachte stumm.

Da höre ich ein leises Knistern
Von einem welken Buchenblatt.
Ein Zünglein schleckt mir zärtlich-lüstern
Am Ohr. Ich werde wild und matt,

Die Beine wollen sich nicht drehen,
Dein Arm umschlingt fest meinen Bauch.
Ich kann die Sonne scheinen sehen
Und ihre Wärme fühl ich auch

Und nicht nur sie, noch eine andre.
Ich rieche Dein Parfüm, den Duft,
Als ich durch die Erinn’rung wandre,
Verschafft sich rasch ein Stöhnen Luft.

Du ziehst mich an Dich, flüsterst mir
Was Liebes hin, wo‘s Zünglein nässte.
Es ist, als ob das Alles hier
Im Traum wär, wenn nicht durch die Äste

Die Elster flög und keckernd schrie.
Ich denke, ich werd fallen müssen,
So geht das nicht, die armen Knie,
Da drehst Du mich zu Dir, und Küssen,

Nein, wildes Fressen ist das schon,
Was jetzt geschieht. Es knirschen Steine.
Des langen Wartens süßer Lohn
Kommt über uns, es knicken Beine:

Doch, welch ein Zufall, steht die Bank
Am rechten Ort, auf die wir sinken.
Du lachst und sagst nur: Gottseidank!
Und dazu zwitschern laut die Finken.

Beitrag vom 13 August, 2010 (20:10) | Autor: Werner Theis | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


sirius

8 Juli, 2010 (22:08) | Ramona Linke | rausch (zustände), tage-bau | Kommentieren

der wind dreht
aus der mitte
des universums
fällt
ein letztes
rindenstück
ins knirschen
des feuers
dort
am bach
so viele wilde
vergiss mein
nicht
just
___als würde seide
reißen
leise & mono
ton
nommos sprechgesang
weithin über
die gräber der ahnen
zur nacht
___dieser hauch

stille
nur

Beitrag vom 8 Juli, 2010 (22:08) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände), tage-bau | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Der blöde Frühling

8 April, 2010 (10:58) | Werner Theis | rausch (zustände) | Kommentieren

Der blöde Frühling bläst ins Wunderhorn,
Es hupt der Nachbar wild im Cabrio,
Die Vögel zwitschern laut „Hallodrio!“
Und fliegen durch die Gegend wie verworrn,

Die Halme in den Schnäbeln: Sowieso
Regiert jetzt der Vermehrung “Lebensborn”.
Als ob die Welt begänn’ ganz frisch von vorn,
Belächelt man sich dümmlich und ist froh.

Ich reib mir meine Augen und stell’ fest,
Dass das Getue mich so richtig nervt,
Weil es mich nicht mehr ruhig schlafen lässt,

Denn, ja, auch ich erleb’ die Zeit „geschärft“.
Ich sag es laut: Ihr geht mir auf den Seier,
Die feschen Hasen wie die Ostereier!

Beitrag vom 8 April, 2010 (10:58) | Autor: Werner Theis | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Die Giraffe blutet 2

8 März, 2010 (00:56) | Kasper Grimm | rausch (zustände) | 1 Kommentar

Der Behinderte Ludorff hatte Rother ein Fotobearbeitungsprogramm ausgeliehen, das, auf seinem Laptop installiert, zahlreiche Bedienungsmöglichkeiten bot, die er als Laie nur begrenzt zu nutzen wußte,

etwa das Erstellen von Collagen, indem er verschiedene Fotos aus einem Ordner auf seiner Festplatte zu einem Bild zusammensetzte, vor Jahren bei einem Zoobesuch geknipst, stümperhaft, die meisten unterbelichtet und unscharf, die er, ehe er sie überhaupt verwenden konnte, erst überarbeiten mußte, aufhellen, schärfen, regulieren, schief aufgenommenen Motive geraderücken, zurechtschneiden,

bis er das Optimum zum Beispiel aus einem Giraffenfoto herausgeholt hatte, so daß die verwischten Konturen nun klar hervortraten, die erloschenen Farben frische Leuchtkraft erhielten, woraufhin er das Tier ausschnitt, indem er die Umgebung mit einem virtuellen Radiergummi entfernte, den er mit der Maus führte, unfähig, die Linien sauber um die Konturen herumzuziehen,

wobei er, verzitterte er eine Kurve, den letzten Arbeitsgang rückgängig machen mußte, und als er bei einem neuen Ausrutscher in das Motiv hineinfuhr, blieb wieder eine häßliche Kerbe zurück, als habe er dem Tier einen heftigen Machetenhieb versetzt,

doch ehe er diesmal den Rückwärtspfeil drücken konnte, schoß rote Farbe heraus, was ihn so erschreckte, daß er wirr mit dem Cursor herumfuhr, dadurch weitere Verstümmelungen anrichtete, aus denen neue rote Fontänen herauspulsierten,

und er bewegte panisch die Maus, wollte das Bild komplett löschen, aber der Radierer hatte sich in eine Lanzenspitze verwandelt, mit der das Fell kreuz und quer aufgeschlitzt wurde, grauenhaft, als fahre er mit einem scharfen Messer durch das Fleisch der Giraffe, massakriere sie, schlachte sie ab,

und bei jeder Bewegung schoß es weiter wie Lava aus dem zerpflügten Leib, als verblute er vor seinen Augen, weshalb er wild auf alle möglichen Tasten hämmerte, bis der Computer abstürzte und die Metzelei ein abruptes Ende fand:

schwarzer Monitor; nur ein Lämpchen auf der Tastatur blinkte noch grün, als blinzele es ihm verschwörerisch zu, während er zitternd nach seinem Gesicht tastete, das sich klebrig naß anfühlte, bespritzt vom Blut der Giraffe – oder war es Angstschweiß?

Beitrag vom 8 März, 2010 (00:56) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (1) Kommentar


Er strahlt ins Weite

5 März, 2010 (20:46) | Werner Theis | goldener schnitt, rausch (zustände) | Kommentieren

„wie wolken um die zeiten legt“ (friedrich hölderlin)

Der Worte in den Atem schreibt, um zu verführen:
Er strahlt ins Weite. Er strahlt gelb, rot, grün und blau:
Die Lichterfelder, die sich spreizen, die ich schau,
Die wollen mich im Innersten ganz leicht berühren –

Sie staunen, diese wunderbaren, schlängeln schlau
Sich durch die Luft, und niemand kann sie jemals spüren,
Weil sie sich zärtelnd aus dem Nichts zum Äther küren!
Sie binden sich und winden sich, und ganz genau

Wie man die Wolken um die Zeiten legt, bewegt
Es Suchende, die Lebenden, die Endenden:
Der Worte in den Odem haucht, ist angeregt

Von Bilderlauten, die er malt, die wendenden,
Verwunschenen, die, um die Zeiten sich gelegt,
Am Himmel ballenden und sich verschwendenden!

Für öygr

Beitrag vom 5 März, 2010 (20:46) | Autor: Werner Theis | Rubrik: goldener schnitt, rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Scarlattieren (DGb)

5 März, 2010 (11:50) | Kasper Grimm | rausch (zustände) | 3 Kommentare

Bei noch größerem Druck würde er zerspringen, und in höchster Not scarlattierte er mit Hilfe eines kleinen, runden Apparats, in dem eine silberne Scheibe steckte, von der elektrische Signale ausgingen, die, in Klänge umgewandelt, durch eine dünne schwarze Schlange zu der Klemme geleitet wurden, die seinen Kopf umspannte,

von einem Ohr zum anderen, jedes ein Trichter in seine Innenwelt, die nun mit Saiten überzogen wurde, Sehnen, straff gespannt im Unendlichen, das sich in einem schwarzen Horizont verlor, von dem er nicht wußte, bis wohin er sich erstreckte, ob er überhaupt irgendwo aufhörte

oder mit dem Universum verbunden war, das sich grenzenlos ins Unvorstellbare fortsetzte, in dem er selber nur ein Staubpartikel war, ein winziges, aber intensives Umfeld, durchzogen mit schneidenden Fäden, gespeist aus dem runden Apparat, die sein Bewußtsein durchflitzten, an unsichtbaren Halterungen befestigt, bald zu einem Gebilde aus silbrigen Klängen verwoben,

nun zu einem Auffangnetz unter ihm aufgespannt, ein Gefühl von Sicherheit verbreitend, als könne er nicht mehr ins Bodenlose abstürzen, und wie zum Test fiel er plötzlich, mit einem diesmal freudigen Erschrecken, das er beim Hinabsausen in der Achterbahn auf der Kirmes verspürt hatte,

wurde aufgefangen von der elastischen Matte, federte auf und ab auf matratzenweichen Klängen, parfümiert mit süßen Melodien, rhythmisiert von beglückenden Harmonien, die ihm das Gefühl gaben, ein Akrobat zu sein, der euphorisch hochfuhr, Loopings machte, hinabsauste,

vom Klangteppich zurückprallte, der allmählich in die Höhe wuchs, jetzt nicht mehr nur eine horizontale Fläche, sondern aufragend ins Vertikale, ein gigantisches Gestänge, das an ein Klettergerüst mit Drahtseilen erinnerte, in dem er nun von einem Berührungspunkt zum anderen katapultiert wurde,

eine Flipperkugel, die nicht auf einer planen Ebene herumfuhr, sondern durch den dreidimensionalen Raum flog, zurückgeschleudert von dem Grund, auf dem er gerade aufgeschlagen war, ein Querschläger, ständig in andere Richtungen geschossen, ein Alptraum,

und seine Festigkeit wurde zunehmend weicher, so daß die Drähte, von denen er vorhin noch ohne Verletzungen abgeprallt war, erst Striemen, dann Schnitte in seinem Körper zurückließen, der zuletzt nicht mehr wegsprang, sondern, ein lehmiger Klumpen, durch die Saiten des Gerüstes hindurchgedrückt wurde,

ein riesiger Eierschneider, der ihn in immer kleinere Stücke häckselte, bis er sich ins Nichts aufgelöst haben würde, das ihm als erlösendes Nirwana vorschwebte, wunderbar –

da schrak er auf und wäre fast vom Stuhl gefallen, auf dem er eingeschlafen war, den Kopfhörer vom Discman auf, aus dem ein Cembalostakkato von Scarlatti perlte.

Beitrag vom 5 März, 2010 (11:50) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (3) Kommentare


singend gesunken

5 März, 2010 (03:30) | Jörg Meyer (oegyr) | goldener schnitt, rausch (zustände) | 2 Kommentare

„wie wolken um die zeiten legt“ (friedrich hölderlin)

wie wasser sich ums wort gelegt, in eis
umschlossen über lang vergang’ne zeiten
als sehnenderes kyrie eleis,
bevor es singend sank ins sich verschweigen.

die teiche schließen sich noch fest um nachen.
des hades fährmann braucht ’nen packeisbrecher.
ich rufe ihn mit meines ruders sprachen,
und freud weist ihm den weg in den versprecher.

wir streiche(l)n ihm die wortverspielten zeilen
aus seinem fahrplan des zu früh versinkens
und handeln aus verspätung, ein verweilen.

die wolken legten zeit um uns’re gläser,
in denen wir des totenschiffers winken
missachteten als trunk’ne wortverweser.

als video.poem

Beitrag vom 5 März, 2010 (03:30) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: goldener schnitt, rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


Die Giraffe blutet, 1

2 März, 2010 (18:13) | Kasper Grimm | rausch (zustände) | Kommentieren

Absolute Stille, eine poröse Wand, die Rother kugelförmig umhüllte, ihn aufsog und auslutschte, bis er nur noch einen Hohlraum war, der wegen des äußeren Vakuums nicht in sich zusammenfiel, sondern, ein aufgeblähter Ballon, in seiner ursprünglichen Gestalt im Leeren schwebte,

gespenstisch, als sei er aus sich herausgetreten, ein gasförmiger Zustand, etwas Dichtes und zugleich Luftiges, das dann immer heftiger gegen seine Hülle drückte, als werde er so fest aufgepumpt, daß er bald platzen müßte, wenn es kein Ventil gäbe, um den Überdruck abzulassen, der nun in einen Kopfschmerz überging,

einen Migräneanfall mit Messern im Schädel, die sein Hirn durchschossen, stechende Weberschiffchen, intensive Schmerzimpulse mit nachfolgenden Kometenschweifen, milder werdend, langsam zerfallende Kondensstreifen,

doch während sie sich auflösten, bildeten sich neue Blitzschläge in seinem Kopf, der sich füllte mit beißendem Qualm, einer nicht auszuhaltenden Qual, und er sprang auf, um davor wegzulaufen, d.h. vor sich selber, lächerlich, als könnte er diesem Zustand entkommen, ihn wenigstens erträglicher machen,

und er warf sich um sich selber in seinem Verfolgungswahn, begriff plötzlich, daß er nicht von außen gejagt wurde, nein, ihn hetzten innere Hunde, Furien, nicht näher zu benennen,

eine Gefahr, die aus ihm selber kam und seine Panik auslöste, schlimmer, als wenn es äußere Feinde gewesen wären, vor denen er sich wenigstens hätte einigeln können, um den Kopf mit erhobenen Armen wenn auch nur scheinbar zu schützen –

aber wie sollte er, aus sich selbst herausgejagt, vor seinem eigenen Innern in Deckung gehen?

Beitrag vom 2 März, 2010 (18:13) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Ich trage Dich auf meinen bloßen Händen

20 Januar, 2010 (17:37) | Werner Theis | herz & lenden, rausch (zustände), tage-bau | Kommentieren

Ich trage Dich auf meinen bloßen Händen
Und wasche mich in Deiner Unschuld schön.
Ich lege Dir Dein Elfenhaar und föhn
Dir Sterne drauf, die sanftes Glitzern senden.

Ich kleide Dich, wenn ich Dich zart verwöhn,
Mit mir und hauche leis: Das darf nie enden!
Dein Zimmer säume ich mit leichten Wänden;
Ich sammle alle Küsse auf und krön

Dir Deine Stirn und Deine Engelsaugen.
Ich trockne Dich mit meinem Atem ab,
Wobei ich mich verlier, um da zu saugen,

Wo Du die Wundertropfen perlen lässt.
Wenn ich Dich gleich erneut erobert hab,
Hältst Du zum Dank mich stöhnend in Dir fest.

Beitrag vom 20 Januar, 2010 (17:37) | Autor: Werner Theis | Rubrik: herz & lenden, rausch (zustände), tage-bau | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


steilufer

16 September, 2009 (15:07) | Ramona Linke | rausch (zustände) | 7 Kommentare

ein erster sturm legt
die see
in grobe falten
gischtgekrönt
läuft das wasser
über
kleine kiesel
langsam
zurück
verliert sich
letztes licht
in der tiefe
dieses tages
und unter
ausgeheulten himmeln
glänzt der sommer
nach

Beitrag vom 16 September, 2009 (15:07) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (7) Kommentare


schwere los

31 Juli, 2009 (18:40) | Ramona Linke | rausch (zustände) | Kommentieren

beinahe schlummer
fellig
nur einen lid
schlag lang
lässt sich die hüterin
der sternenherde
herab
in mein nacht
asyl
suchend
wispert sie
diesen namen
den ich dir
streichel
leise schenkte
ganz in gedanken
an jenem unver
schränkten morgen
als bei den mandel
weiden
der himmel
blaute und tausend
und eine
sehnsucht uns
den atem
nahm

Beitrag vom 31 Juli, 2009 (18:40) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


leuchtfeuer

30 Juni, 2009 (16:45) | Ramona Linke | rausch (zustände) | 5 Kommentare

hinterm hollerbusch
setzen wir
segel
purpurrötlich bis leicht
transparent
das herz über
kopf bei
nahe
wie damals
schmiegt sich
dein kuss
mitten ins lachen
verschwimmen cirrus
fischchen
schnell
dreht uns
das wiesenmeer
schaumkrautig
und herrlich
unverblümt
deklinieren wir
schäfer
latein und augen
weide
und wir
fallen und
fliegen
und treiben dahin
bis dem abend
die puste
ausgeht

Beitrag vom 30 Juni, 2009 (16:45) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (5) Kommentare


Zu tief geblickt

23 Juni, 2009 (19:01) | Werner Theis | rausch (zustände) | 2 Kommentare

Ich blickte tief in sie, doch sie,
Sie ließ sich einfach nicht mehr blicken.
Ich sollt’ ihr eine Message schicken.
Die Antwort SMS kam nie.

Ich blickte tief in ihren Rücken.
Bestaunte Wade, Fesseln, Knie.
Ein wunderschöner Kolibri:
Sie zu betrachten war Entzücken.

Ich blickte tief auf ihren Busen,
Sah Augen, über ihren Hals,
Den Mund; die Strähnen jedenfalls,

Die blonden, ach, sie streicheln, schmusen,
Das würd’ ich gern im Fall des Falls:
Doch sie, sie kann’s wohl nicht verknusen.

Beitrag vom 23 Juni, 2009 (19:01) | Autor: Werner Theis | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


modelage

27 März, 2009 (15:20) | Ramona Linke | rausch (zustände) | Kommentieren

noch lange
nicht
gesättigt
erzählst du
von pappmaché
im frühlingsregen

und blätterst
fingerspitz
längst ein
gefrorene
gefühle auf
die mitte
des tisches

vermischt scheint
alles ziegelrot
mit kirsch
rosa

weiß

beinahe wort
los
versucht
sie sich zu
wenden
fernab vom herd
feuer
das ihre gedanken
kühlt

Beitrag vom 27 März, 2009 (15:20) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


traumfänger

9 Februar, 2009 (23:41) | Ramona Linke | rausch (zustände) | Kommentieren

sich verschleppen
im laufe der nacht
weiten stunden
auf spitzfindigen zungen
pfaden
rhythmisch um
einander geinselt
zwischen atmenden
kissen
entschleiert
von haut und haaren
weder
kopf noch ziel

nur
finden
und bestehen

wollen

fast wie damals
trägt sie
jene behutsamkeit

bis ein neuer
morgen
den honigmond
verschlingt

Beitrag vom 9 Februar, 2009 (23:41) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


lichtblaue ferne

10 Januar, 2009 (23:03) | Ramona Linke | rausch (zustände) | 5 Kommentare

lass uns
zur insel fahren

augenzu
wind und wogen
muscheln
suchen
hühnergötter

barfuß über kühlen sand
im händereigen

kein wort
verlieren

und das schweigen
mit dem salz
unserer lippen

schmecken

Beitrag vom 10 Januar, 2009 (23:03) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (5) Kommentare


Erotischer Traum

4 Januar, 2009 (13:01) | Kasper Grimm | rausch (zustände), tage-bau | Kommentieren

Lesend betrete ich im Geist mit Marcel den dunklen Vorraum des Hauses. Auf dem Weg zur Treppe bin ich selbst der Protagonist, der gegen einen Kleiderständer läuft in einer Verwirrung, die so groß ist, daß ich den auf einer Truhe sitzenden Hausdiener in seinem langen grauen Rock in der Dunkelheit für Madame Swann halte und mich vor ihm in Grußbezeigungen ergehe. Da kommt die wirkliche Dame des Hauses herbei und drückt mir lächelnd die Hand. Eigentlich bin ich nur wegen Gilberte hergekommen, denke ich gähnend, ermüdet von der anstrengenden Lektüre, und sinke zurück in den Sessel, während das Buch in meinem Schoß zuklappt, mit einem weichen Plop, das nichts weiter ist als der Einbruch des Zeppelins in mein Blickfeld: da schwebt er wie eine große Zigarre im Raum und schleift eine lange Schleppe nach, die außerhalb des Bildes irgendwo befestigt ist. Sie ähnelt einem Fischernetz. Menschen bewegen sich darin wie in einer Hängebrücke, die sich immer länger auseinanderzieht. Plötzlich gibt sie nach und hängt durch, als hätte sie zuviel Leine bekommen. Sie saust in die Tiefe, ein riesiger, auseinanderflatternder Schleier, aus dem die Menschen wie Flöhe herausgeschüttelt werden. Sie zappeln, stürzen hinab und stoßen Todesschreie aus, die sich aus der Ferne wie ein feines Zirpen anhören. Aus dem Off wird immer mehr Netzgarn ins Bild hineingerissen und weht wie ein gewaltiger Vorhang hinab. Verzweifelte klammern sich daran fest. Ein Ruck, und der Schleier weht losgerissen hernieder. Es war eine Explosion, wie ich erst jetzt bemerke. Die Riesenzigarre, an deren Zugleine auch Winzlinge strampeln, gerät in Brand: eine gewaltige Feuersbrunst, gleichsam das Ende der Welt, so unglaublich, plastisch und grauenerregend wie auf Bildern von Hieronymus Bosch. Ein auf mich herabprasselndes Inferno. Ich entkomme ihm durch ein kurzes Aufschrecken – und sacke wieder weg. Der Feuerball zieht sich noch länger, verwandelt sich in einen gigantischen Goldfisch, der rötlich fluoreszierend durch den dunklen Vorraum schwimmt. Rittlings auf ihm ich als Marcel, der eine zwischen seinen Schenkeln aufragende Angel schwingt und den Haken an der Schnur wie ein Cowboy sein Lasso um sich herumwirbelt. Er verfängt sich in Gilbertes wehendem Kleid, die, wie ich erkenne, vor ihm auf der Flucht gewesen ist, in Gestalt einer kleinen Rauchwolke. Gleichzeitig ist mir, als habe sich der Haken auch in mir verfangen: es zieht in meinen Eingeweiden, tut aber nicht weh. Vielmehr kitzelt es, und der Fisch, auf dem ich jetzt reite, bäumt sich auf – nein, etwas anderes: es niest so heftig, daß ich erwache. Da liegt noch die zugeklappte „Verlorene Zeit“, und darunter fühlt es sich unangenehm feucht an.

Beitrag vom 4 Januar, 2009 (13:01) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: rausch (zustände), tage-bau | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


warteschleife

13 Dezember, 2008 (00:51) | Ramona Linke | rausch (zustände) | 2 Kommentare

ausgeträumt
die lichten momente
im olymp

halbiert

was uns verschränkt
ohne matrix

in farb —
loser demut
trotz aller
nüchternheit

wünscht sie sich
jenen zauberschweif

unterm wintermond
glashart
und sahnig
mit einem hauch
muskat

auf feuchten kissen

Beitrag vom 13 Dezember, 2008 (00:51) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare


fragmente

6 Dezember, 2008 (12:58) | Ramona Linke | rausch (zustände) | Kommentieren

das flackern im kamin
belebt
jene sommerfrische
in den bergen

fliegenfischen
lagerfeuer
mundvoll atemlos
zeit für reife
beeren

jemand ruft
einen namen
die hände geformt
zum megafon

sein lachendes echo
sprüht funken
und verhallt
zwischen den seiten
des buches

auf ihren schoß fällt
der blasse duft
wilder rosen

achtsam
legt sie all das zurück
an seinen platz

bevor
dieses leise flüstern
wispern
unter der haut

verlischt

Beitrag vom 6 Dezember, 2008 (12:58) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | Kommentieren


Liebesschwur

17 Oktober, 2008 (20:41) | Werner Theis | rausch (zustände) | 2 Kommentare

Es träufelt leise auf die Haut
Das letzte Licht des Tags.
Ich habe tief in mich geschaut,
Ich habs gesehn und sags:

Dort ist, vor dem mir so sehr graut,
Es lebt, und ich beklags,
Es ist mein Ich, das sich nicht traut!
Ich übernehm und frags:

Ob Du es liebst, erführ es gern,
Trotz allem, immer noch.
Es wüsst, Du dürftest Dich beschwern.
Es sitzt vor seinem Loch

Und will von Dir nur eines hörn:
Sei still, ich mag Dich doch!
Es würde Besserung Dir schwörn
Fürn Rest von dieser Woch.

Beitrag vom 17 Oktober, 2008 (20:41) | Autor: Werner Theis | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag ausdrucken | (2) Kommentare




Idee: Enno E. Peter & Sabrina Ortmann

WordPress | Basis Theme: Andreas Viklund & webhosting sources | modified by TyrakusCMS