2 September, 2010 (15:54) | Hans Juergen John | tage-bau | Kommentieren
Intrigen – wie man sie erkennt, wie man sich wappnet, wie man sie durchkreuzt. (2)
Was für ein grausiges Thema. Mit Widerwillen gehen wir es an. Kaum diskutieren wir darüber, schon fallen uns tausend andere Dinge ein, die wir lieber täten. Aber es muss sein. Auch der Vollständigkeit wegen. Ein wichtiger Punkt, wenn nicht gar der wichtigste überhaupt, kommt jetzt:
Machen Sie einen Spaziergang. Gehen Sie auf einen Hügel. Ist es nicht wunderbar, was man von hier oben alles sehen kann? Vielleicht den See in der Ferne, Städte oder andere Hügel. Strassen, Flüsse, Autobahnen. Man hat kurz gesagt alles im Blick.
Womöglich sehen Sie in der Ferne ein anrückendes Heer. Die Armeeführung kämpft gerade gegen einen Computervirus und alle Beobachtungssatelliten sind ausgefallen. Ja womöglich…
Jetzt stellen Sie sich weiter vor, Sie würden Tagebuch schreiben. Das ist, als würden Sie auf einen Hügel gehen und hätten plötzlich Rundumsicht auf alles Schöne in Ihrem Leben. Die Menschen, die Sie lieben, die Ziele, die Sie sich gesetzt haben. Auch die paar Probleme oder Intrigen würden schon sichtbar, wenn sie am Horizont auftauchen und könnten Sie nicht unvorbereitet treffen. Das wäre ganz wunderbar.
4. Regel: Verschaffen Sie sich Übersicht und schreiben Sie Tagebuch
Schon nach ein paar Wochen merken Sie, wie sich Ihr Blick auf die Dinge verändert. Sie sehen, wer es gut mit Ihnen meint. Sie lesen Aussagen Ihrer Freunde und Kollegen und sehen: Hoppla. Der eine ist ein Schwätzer, ein Schönredner, einer der Dinge verspricht und nicht hält, so wunderbar auch die Unterhaltung mit ihm ist.
Und andere wieder sind direkt, sagen Ihnen auf den Kopf die Meinung zu und Sie hassen sie im gleichen Moment. Aus der Sicht des Tagebuchschreibers erkennen Sie jedoch nach einigen Wochen oder Monaten: Hoppla hier ist ein Mensch, der mir die Meinung sagt, damit ich meinen Weg finde, damit ich mich weiter entwickle, damit ich mit meinem Verhalten nicht überall anecke. Hier ist jemand, der mich mit allen meinen Ecken und Kanten mag und fördert.
1 September, 2010 (23:53) | Hartmut Sörgel | tage-bau | Kommentieren
Der Mond wirft
meinen Schatten in die Nacht
Dann kommen Wolken
Ich bin der Schatten
verschwinde in die Nacht
einen Atemzug lang
1 September, 2010 (09:27) | Werner Theis | lug & trug | Kommentieren
Du fragst: Was haben wir denn hinterlassen?
Es ist nicht viel, hast recht, wir wurden Staub.
Dazu sind wir noch blind gewesen, taub
Und wussten nicht viel mehr als zu verprassen.
Du meinst, sie würden uns dafür wohl hassen.
Man könnte sie verstehen, mit Verlaub!
Es war nicht weniger als Zukunftsraub!
Wir lebten nach dem Motto: Hoch die Tassen!
Wie sag ich’s meinen Kindern, fragst du dich.
Ich glaube, du musst ihnen nicht viel sagen.
Sie werden es bezahlen, fürchterlich,
Und sich auch für die Nichtgebornen plagen.
Sie werden sich nur fragen: Warum ich?
Und du hörst, weil du fort bist, nicht ihr Klagen.
31 August, 2010 (22:31) | Hartmut Sörgel | tage-bau | Kommentieren
Mit dem Fahrrad nach Erkner
Unterwegs Kette ab
Fahrrad auf den Kopf und wieder einfädeln
In Rahnsdorf treffe ich
Kuckuckssteig und Rosenhag
Und dann Erkner
ein Schild bietet an
Wohngebiet Neuseeland
Hinziehen?
Ich schaue auf die andre Straßenseite
und lese
´modisches allerlei´
´Libellen Apotheke´
´Kino Movieland´
´Kümmels Anzeige´
und radle schauend weiter
Alte Frau ruft hinter mir:
„Kann ich mal überholen?
Weiß nicht, wohin sie wollen“
Dann überholen mich Schüler
mit großen Ranzen auf dem Rücken
freihändig fahrend
Als ich den Himmel filme
schaut rätselnd ein Passant
nach oben
In diesem Augenblick
fahren vorbei
´Der Bierkutscher´
und
´Deutsche Aktenvernichtung
gebührenfrei´
31 August, 2010 (18:03) | Angela Hornbogen | tage-bau | 3 Kommentare
Der Tag fing wider Willen um 3 Uhr in der Nacht an. Bis fünf Uhr unsinnige Versuche noch einmal einzuschlafen. Dann raus und an das Manuskript mit der unaufhaltsam nahenden Deadline. Sich die Zeit nehmen zu lesen, wenn man eigentlich das Gefühl hat, man müsse etwas mit den Händen tun um voranzukommen.
Im Altenheim singen wir Liede, An der Saale hellen Strande und Geh aus mein Herz. Die Alten mögen mich, weil ich eine tragende Stimme habe. Ein alter Seemann verriet mir, dass er in meiner Heckwelle sänge wie ein junger Gott, obwohl er von Hause aus gar nicht singen könne. Wir trällern Volkslieder, die ganze Liste rauf und runter. Es gibt einen Ordner mit den Texten, die können die Alten auswendig. Mir fehlen manchmal die Melodien zu den Worten, weil der Ordner keine Noten enthält. Dann stürmt ein vielstimmiger Chor auf mich ein und sie kriegen sich in die Wolle, welche Melodie die richtige ist.
Ich komme nur zu Besuch hierher. Einmal in der Woche schaue ich vorbei und auch das eigentlich nur als Rollstuhlschieberin einer Dame, die ihrerseits hier einen Besuch macht. Verwicklungen. Nichts Erstaunliches, das Leben erscheint mir immer öfter wie eine lange Reihe von Verwicklungen, auf die ich nur mäßigen Einfluss habe, die aber dennoch mein Leben mitbestimmen.
Am Nachmittag zurück ans Manuskript. Eine E-mail von meiner Verlegerin. Sie toleriert meinen Titelwunsch, wenn ich einen Zusatz akzeptiere. Ich akzeptiere gerne. Sie schreibt mir, dass sie heute losginge, um Esel zu fotografieren. Hoffentlich findet sie einen schönen. Er soll auf dem Cover meines Buches erscheinen, da muss er schön sein.
Eine ehemalige Arbeitskollegin glaubte, sie habe schon einmal als Negerprinzessin gelebt. Ich war in meinem früheren Leben bestimmt ein Esel. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sich daran in dieser Reinkarnation viel geändert hat.
Dennoch ist das Leben gerade sehr schön. Ich arbeite gerne und freue mich auf die Veröffentlichung meines ersten Romanes.
30 August, 2010 (11:57) | Elvira Surrmann | tage-bau | 2 Kommentare
Sommer – Sonne – Blumen.
Auch der Kreuzberger liebt Blumen.
Nur wenige Kreuzberger haben einen Garten.
Also gehen sie auf die Straße.
Da gibt es kleinste Areale, die man durch geschickte Umzäunung von Füßen, Pfoten, Rollstühlen, Kinderwagen, Fahrrädern und Rentnerkarren frei halten kann: die Baumscheiben. Kleinste Reste sichtbarer Erdkrume zwischen Bürgersteigpflaster und Fahrdammasphalt.
Überall wird gehämmert, gesägt, werden Pflöcke in die Erde gerammt, Blumenerde wird angehäufelt, Sitzbänke designt, Drähte gespannt und Schilder angenagelt: „Betreten verboten“. Nach ein paar Sonnentagen und einigen Eimerladungen Wasser grünt und blüht es: Bärlauch, Storchenschnabel, Stockrosen – was das Samentütchen hergibt.
Bis der Gärtner in den Urlaub fährt. Nehmen wir Herrn W. zum Beispiel. Er fuhr für sieben Tage an die türkische Riviera.
Eine Busladung Touristen lässt sich, dankbar, den engen Bussitzen und den Witzen des Reiseführers entronnen zu sein, auf dem Bänkchen seines Baumscheibengärtchens in der Sonne nieder und staunt über die Naturliebe der Kreuzberger, bis das Bänkchen sich samt Besatzung leise zur Seite neigt und sanft in die Blütenpracht sinkt. Die Touristen sind froh, dass sich kein Besitzer zeigt, bedauern die geknickte Pracht und folgen dem Reiseführer brav zum Marheineckeplatz. Die abgeknickten Pflanzen welken still vor sich hin.
Hat Herr W. vergessen, seine Nachbarin um eine gelegentliche Wassergabe zu bitten? Oder hat sie jetzt endlich die Gelegenheit, ihm heimzuzahlen, dass er die Spuren nächtlicher Sauftouren auch auf ihrem Fußabtreter hinterlässt? War es einfach nur zu heiß und zu trocken? Haben sich die Pflanzen nicht von den Touristen erholt? Hat sich die Töle aus dem Nachbarhaus nicht an das Verbotsschild gehalten? Wie dem auch sei. Nach seiner Rückkehr starrt Herr W. entsetzt auf seine braun verdorrten Pflanzen und das demolierte Bänkchen.
Um seinen Wiedersehensschmerz zu betäuben, lässt er sich vom Wirt seiner Stammkneipe trösten. Dann von der Bedienung seiner zweiten Stammkneipe. Dann besucht er ein paar Kneipen, die er sonst noch kennt, und als er gegen Morgen nach Hause torkelt, stolpert er über ein Stück Draht, mit dem er das Bänkchen befestigt hatte, und überzieht die Baumscheibe mit der übel riechenden Erinnerung an die nächtlichen Tröstungen. Er hat es eilig, in seine Wohnung zu kommen, sieht aber zu dieser Tageszeit nicht mehr so gut, fingert in der Jackentasche nach seiner Brille, sinkt ermüdet auf die Fußmatte der Nachbarin. Kopfschüttelnd betrachtet er den nassen Fleck auf seiner Hose, der sich beharrlich ausdehnt.
Anne, Katrin, Lisa, Jens und Martin haben es da besser, sie fahren niemals gemeinsam in Urlaub. Die WG der Alleinerziehenden hat eine Mehrbaumscheibe umzäunt und einen Minispielplatz daraus gemacht. Jens hat einen Bruder, der Tischler ist, der hat beim Zaun geholfen und Lisas Mutter hat früher in einer Gärtnerei gearbeitet und Tipps gegeben, mit dem Rindenmulch zum Beispiel.
Konrad, der älteste Sohn von Katrin, hat das Schild gemalt: eine große rote Blume mit der Aufschrift „bite nich betrehten“.
Die Touristen staunen über die Originalität der Kreuzberger.
Aber bei aller Liebe zur Natur – nichts geht dem Kreuzberger über seine persönliche Freiheit und den Kampf darum führt er in stiller Verbissenheit.
Hat er jemanden darum gebeten, Stockrosen auf den Mittelstreifen an der Kottbusser Straße zu pflanzen? Hat ihn jemand gefragt, ob er damit einverstanden ist? Lila Stockrosen, nachdem sich im Frühjahr hier schon diese albernen Krokusse wie die Ratten am Kanal vermehrt haben? Mit ausholenden Schritten und kräftigem Auftreten verteidigt er seine Freiheit, wenn er den Grünstreifen überquert.
Das Gartenbauamt respektiert die Freiheitsliebe des Kreuzbergers, wie man am Südstern sehen kann.
Ein schmaler Rasenstreifen trennt hier Geh- und Radweg voneinander. Der Rasenstreifen trug in allerkürzester Zeit die Male des Kreuzberger Freiheitskampfes: Trampelpfade kreuz und quer.
Ein – vermutlich aus Schwaben eingewanderter – Mitarbeiter des Gartenbauamtes unterstützte den Freiheitskampf und ließ saubere, drei Schritte lange Wege zwischen Geh- und Radweg anlegen und asphaltieren.
Es ist zu erwarten, dass im kommenden Jahr naturliebende Kreuzberger auf dem verbliebenen Rasen einen Balkon bauen und darauf Tomaten und Stockrosen ziehen und in lauen Sommernächten feiern.
29 August, 2010 (19:55) | Sylvia Hagenbach | tage-bau | 2 Kommentare

ich habe schlechte laune, verdirb sie mir nicht! sagte eines tages mein
cousin zu meinem onkel. heut hätt ichs sagen können – äh – was kommt da alles vom himmel gestürzt, cats and dogs sagt der englishman und morgen ist montag. lauselausekalt ists. es hilft nicht: in der küche stehen, mit den töpfen scheppern. es hilft nicht: mit heißem wasser abwaschen. es hilft nicht: aus dem fenster gucken. es hilft nicht: auf dem sofa liegen unter der blauen wolldecke und lesen. das buch zieht nicht richtig, dafür alles andere. die fenster klappern, die kerzenflamme zittert. ich auch trotz decke, alles nicht gemütlich. film gucken: langweilig. aufräumen: langweilig. wäsche abnehmen: langwei… die wäsche flattert durch die wohnung, kein wind, nein: da ist musik drin, im radio! da fängts an zu shaken, so im becken tacketack, die hüften machen 8ten, die beine zucken, die füße stampfen, die rote wäsche hüpft, revolution, revolution, bis in den wäscheschrank, haha, das stampft und trampelt und schüttelt und hüpft, schön, die unternachbarn sind verreist und frieren in Hamburg, also druff immer druff, haha! Sylle? tanzt du? rufts aus dem nebenzimmer. vor freude? nee, vor kälte. haha. aber doch: hat was, das geht so weiter, bis mir warm ist. und sagte nicht diese tanztante Roth: wenn du paar wochen lang jeden tag ne halbe stunde kräftig tanzt, nimmst du feste ab, ganz sicher! hm. hoffentlich kommt jetzt nicht gleich die nächste hitzewelle um die ecke geschwappt…
29 August, 2010 (15:56) | Werner Theis | tage-bau | Kommentieren
Es gibt die Vielen, die tatsächlich meinen,
Sie wüssten, wie sich’s anfühlt, ein Gedicht;
Sie wissen sicher viel, doch jenes nicht:
Wer glaubt, das zu besitzen, ist den kleinen,
Den wichtigen, den letzten Schritt gegangen
Und hat die Grenzen überschritten, die
Man in Gewissheit überschreitet, nie
Zu der Bescheidenheit mehr zu gelangen,
Die nötig ist, um wirklich das zu fühlen,
Was Dichtung sei, ganz leicht und trotzdem schwer
Genug, die tiefen Gründe aufzuwühlen,
Zu füllen, was unendlich inhaltsleer,
Die Freuden mit den Schmerzen zu umspülen.
Die Wenigen, die‘s fühlen, schenken’s her!
29 August, 2010 (14:05) | Angela Hornbogen | tage-bau | 1 Kommentar
und: JA, sie war wirklich weg.
Zwischenzeitlich kam die Katze relativ unbeschadet wieder (sie war tagelang in einer Garage in der Nachbarschaft eingesperrt) und dazu kam auch noch ein Verlag für mein erstes Manuskript. Viel Freude also derzeit und viel Arbeit. Bald lasse ich mehr von mir hören. Es dauert ein bisserl, bis ich mich hier auf der Seite einigermaßen auskenne. Da ist Vieles, was noch durchschaut werden muss.
28 August, 2010 (03:45) | Hans Juergen John | tage-bau | 4 Kommentare
27 August, 2010 (22:06) | Hartmut Sörgel | tage-bau | 2 Kommentare
tsch tsch trrsch
hallo he
bwwww
kfuw
schrschrschr
hiihaajhahah
eins zwei drei vier
eihiui
brsssbbrreesssssrressss
fffffffff
ffffffffffffffffffffffffff
weil ich dachte
wir können ruhig
erst bis dahinter
ja
zyklame weg
ttttik
taatütatatatütaüaüaüaüa
Bitte keine Spatzen füttern
komm schon die Hochzeiter
ne?!
tttttttrtrtrtrtr
huuuii
wwwww
bbbwebbbwwww
rürürürür
klick bbbbbwwwwwwwww
tresssbbbwww
bbrrrruuuu
wuiz zuitz
ziirrtz
wegen dem Geräusch nach hinten
wegen dem Regen
irgendwie
njaa
kann doch nicht sein
ne
hier schon wieder
goldne Hochzeit
jetzt wirds eng
sehr eng
hab noch keinen Mann
tptptptptptptpt
btötz btööötz
tzötzö
krkrkrkrkr
puitschschuitsch
wuit wuitsch wuitsch tschuit witsch
27 August, 2010 (12:28) | Hans Juergen John | tage-bau | 2 Kommentare
Intrigen – wie man sie erkennt, wie man sich wappnet, wie man sie durchkreuzt. (1)
Lange angekündigt und nun online: Die Dunkle Seite in der Seele des Menschen – Intrigen, oft im Gewand von Mobbing und Co.
Wer kennt sie nicht, eine der Königinnen der Intrige, Lady Macbeth aus Shakespears “Macbeth”. Es heisst über sie: Sie konnte lächeln und aussehen wie die unschuldige Blume und war doch tatsächlich die Schlange darunter.” Und an anderer Stelle: “Und sie begann Worte in sein Ohr zu träufeln wie Gift….” So erreicht sie, dass ihr Mann, ein erfolgreicher Feldherr, seinen König ermordet.
Und so wissen wir schon, wie sie daher kommt, die Intrige: lächelnd. Warum? Das Lächeln ist der Schlüssel zum Herzen eines jeden Menschen. Es soll uns signalisieren: Ich tue dir nichts und erwarte daselbe von dir. Doch manchmal sollten wir uns daran erinnern, dass das Zähne zeigen auch ein Angriffssignal sein kann. Ein Lächeln kann Freundlichkeit signalisieren und Hinterlist verbergen. Eine Allzweckwaffe also, sowohl defensiv als auch offensiv einsetzbar.
Was sucht ein Abschnitt über Intrigen ausgerechnet in einem Artikel “Wie man Probleme löst und Ziele erreicht”?
Wir haben gelernt: Regel Nummer drei lautet: “Sehe das Schöne und Gute und rede darüber. Sehe das Schlechte und Böse und schweige es weg”. Keine Regel ohne Ausnahme. Wie wollen Sie Ihre Ziele erreichen, wenn Ihr Weg mit gefällten Bäumen versperrt wurde und Sie nicht wissen, wer hinter der Motorsäge steckt?
Wir reden gerade über seltene Ereignisse. Warum sollte Ihnen jemand etwas Böses wollen? Glauben Sie an das Gute im Menschen und Sie werden herzensgute Menschen anziehen wie Boss die Geschäftsleute.
26 August, 2010 (22:48) | Hartmut Sörgel | tage-bau | Kommentieren
Händel Concerto grosso
Händelfestspiele Halle Juni 2010
gespielt von Academia byzantina aus Italien
am 26.8.10 im DLF gesendet
Die
Sonne
überm Fluss
in vielen Farben leuchtend
riesengroß am Horizont ganz nah
und im Fluss nochmals
tanzend in
blau, gelb, rot,
weiß, schwarz,
grau, grün, orange
die leichten Wellen
ineinander
ein Baum am Ufer
der auch im Wasser tanzt
und Spaziergänger
zwitschern
trillern
tirilieren
Ein Bussard
fliegt zur Sonne
mit schnellem
Flügel
s
c
h
l
a
g
25 August, 2010 (22:55) | Hartmut Sörgel | tage-bau | 2 Kommentare
Die Azurjungfer
auf einem Erlenblatt über dem See
Ich verliebe mich und schaue sie an
Da summt ein feines Stimmchen:
„Ich liebe dich“
„Oh, du kannst sprechen!“
„Ja, ich kann zaubern
Fliege los, du Lieber
Auch du bist eine Libelle“
Was?
Ja, du bist meine Liebelle
Wirklich, ich fliege auf, sie hinterher
Wir bilden ein Rad
und tanzen durch die Bäume, die übern See ragen
25 August, 2010 (21:02) | Angela Hornbogen | tage-bau | 9 Kommentare
Festgestellt, dass die Katze ein Teil meiner selbst geworden war. Ist sie tot? Ist sie fort? Im Grunde bleibt sich das in der Ungewissheit gleich. Die Ungewissheit hingegen ist ein Schmerz, für den es kaum ein Ende zu finden gibt. Wahrscheinlich ist die Ungewissheit der Schmerz schlechthin. Ich spüre ihr Seidenfell noch tausend Jahre – und einen Tag. Sie hieß unkreativ, sie hieß Minka, aber sie war alles für mich. Für eine Weile.
25 August, 2010 (14:45) | Werner Theis | zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren
Wer aber den Herbst bespricht
Redet zuviel vom Weh
Singt lauthals vom Ach
Birgt den Hals im Schal
Wer aber vom Winter heisert
Der tanzt um den Schnee
Der pirouettet sich ins Eis
Salzt sein Kommen und Gehen
Sag nicht wenn du herbstest
Dass du dich überwinterst
Die Nebeltropfen gebären
Den Raureif in deinem Bart
Klag nicht über Endlichkeiten
In Endlosschleifen
Sprich eher vom Blauen Band
Das flattert im weichwarmen Wind
25 August, 2010 (10:49) | Hans Juergen John | tage-bau | Kommentieren
Woher kommt die Erkenntnis (2)
Glücklich kann sich schätzen, wer Menschen trifft und kennt, die ihr Wissen und ihre Erfahrung uneigennützig teilen.
Mein älterer Freund erzählte von der grossen Kraft, die in jedem Menschen wohne. Und dass alles in jedem angelegt sei: Glück, Trauer, Leid, Armut, Reichtum, Trennungen und erfüllte Beziehungen. Dass aber viele Menschen dies und ihren Sinn ausserhalb suchen. So wie man zum Trinken in eine Kneipe gehe, obwohl dies auch zuhause möglich sei. Demnach wäre der wochenendliche Besuch in der Disko ebenso überflüssig wie das Reisen in ferne Länder oder die Sinnsuche über eine Partnerschaft.
Wozu weit gehen, wenn alles in uns ist und wir uns nur dessen bewusst werden müssen, um zufrieden und glücklich sein zu können? Keine Feldwege, keine Umwege mehr auf dem Wege zum Glück, sondern gleich die Autobahn?
Das würde für uns und unsere Probleme oder Ziele bedeuten, dass wir der Ursprung von allem sind und somit auch die Lösungen in uns tragen.
Mit dieser Erkenntnis wird sich unser Ziel beziehungsweise die Suche danach grundlegend ändern: Da wir selbst der Ursprung von allem sind, ist sofort klar, wo die Suche beginnen muss, wenn sie Aussichten auf Erfolg haben soll: Bei uns.
25 August, 2010 (06:12) | Jörg Meyer (oegyr) | tage-bau | Kommentieren
hier ist kein mond,
nur der mann darin,
der geküsst werden will.
aber nicht auf den mund,
denn der spricht, atmet
„winde weh’n“, und die haselrute
herbstend ging darin
windwillig auf „in paradisum …
… deducant“, verführte
das englein am strand,
wo wir pflaster sammelten
und beerenstein.
und sahen und säten
hustenden „et semini ejus“.
sündikat der nacht, wo die
bahn todwärts küstert.
hier ist heilig, kein kussmund:
kunstmonster mond darin –
voll groß gähnend, IchIchL,
sich windend aus weh.
VideoPoem
23 August, 2010 (22:49) | Hartmut Sörgel | tage-bau | Kommentieren
Bin ich ein Reiher?
Ungefähr zehn Blesshühner stehen nebeneinander auf einem Baumstamm
der im Fluss liegt
Ich will sie filmen und gehe näher
Da steht dicht vor mir im flachen Ufer ein Reiher
Er schaut zu mir
als überlege er, wen er da sieht
Ich trage einen gelben Umhang fürs Radfahren im Regen
Hält er mich für einen Menschen?
Bin ich von einem andern Stern?
Der Reiher geht aus dem Wasser
schaut und bleibt stehen
wendet den Kopf, geht weiter im Bogen um mich, kackt einen weißen Brei
geht weiter, beschaut mein Fahrrad
im Storchenschritt übern Weg im Halbkreis zurück zum Fluss
noch ein weißer Brei
immer wieder bedächtig verharrend, mich im Auge behaltend
Ich filme ihn, drehe mich also auf der Stelle hinter ihm her
Er schreitet ins Wasser
Plötzlich ein Ruck mit dem Spitzen Schnabel nach vorn ins Wasser
schüttelt sich
War das eine Beute, die nicht schmeckte?
Er schaut, ich schaue, kennen wir uns schon?
Dann wirds mir zu nass
Ich gehe zum Fahrrad und fahre davon
mit dem Reiher im Kopf
bis jetzt wie hier zu lesen
23 August, 2010 (00:57) | Hans Juergen John | tage-bau | Kommentieren
Woher kommt die Erkenntnis? (1)
Glückliche Menschen und wissende Menschen haben es leichter.
Gestern Abend kam ein Freund vorbei. Er hat es schwer. Die Freundin hat ihn nach einigen gemeinsamen Jahren verlassen. Anstatt über sie zu reden ging er mich an. Was schreibst du denn da im Internet? Man kann doch keine Probleme lösen, indem man nicht darüber redet. Er schüttelte unwillig den Kopf. Ich begriff. Er brauchte etwas Ablenkung und wollte nicht über seine Freundin reden.
Ich fing an zu erzählen. Wie auch mir geholfen wurde. Wie sich mein Bruder vor Jahren trotz psychologischer Betreuung im dritten Versuch das Leben nahm und ich arbeitslos und gerade frisch geschieden durch die Strassen Ulms in good old Germany irrte.
Ich ging in ein Cafe neben der Volkshochschule (Alberts Cafe), weil dort der Internetzugang umsonst war, wenn man etwas zu trinken bestellte. Ein älterer Herr mit Glatze und gutmütiger Ausstrahlung bediente. Wir kamen ins Gespräch. Im Rückblick kann ich sagen, es war ein Wink des Schicksals. So jemanden hatte ich noch nie getroffen. Einer, der den Menschen ernst nimmt.
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